Folge 14 – Barcamp-Spezial (Teil 1): TikTok ohne Strategie? Kommentarsport mit Haltung!
Shownotes
Live vom Hochschul-Barcamp in Essen: In dieser Sonderfolge von Inside Hochschulkommunikation nehmen wir euch mit ins Unperfekthaus – mitten hinein in zwei Sessions, die zeigen, wie sehr sich Social Media in der Hochschulwelt gerade verändert. Was funktioniert auf TikTok – wenn nicht nur Memes und Trends? Und warum werden Kommentare plötzlich zur eigenen Disziplin? Mit Kathi Bode von der Hochschule Osnabrück sprechen wir über TikTok im Studierendenmarketing – und über die Frage, warum sich dieser Kanal so hartnäckig jeder klassischen Strategie entzieht. Was funktioniert wirklich? Und wie viel Planung verträgt TikTok überhaupt? Außerdem zu Gast: Karsten Kukulies von der Bergischen Universität Wuppertal. Er bringt das Thema „Kommentarsport“ mit – und die Idee, dass Sichtbarkeit nicht nur durch eigene Posts entsteht. Wie viel Humor verträgt eine Universität? Und wann wird aus einem Kommentar echte Imagearbeit? Diese Folge steckt voller Praxisbeispiele, ehrlicher Einblicke und der beruhigenden Erkenntnis: Manchmal gibt es keinen Heiligen Gral – sondern nur den nächsten Versuch. In 14 Tagen geht es weiter mit Teil zwei – dann sprechen wir über KI im Studierendenmarketing und die Frage: Auf welchen Kanälen muss man heute wirklich präsent sein? Shownotes Inside Hochschulkommunikation (Inside HKomm) Von Expert:innen für Expert:innen – alles rund um Kommunikation, PR, Marketing und Digitalisierung an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Die Stimmen in Folge 14 (Teil 1) Kathi Bode Social Media, Studierendenmarketing Hochschule Osnabrück 🔗 https://www.hs-osnabrueck.de/kommunikation/ LinkedIn:www.linkedin.com/in/katharina-bode-184b6122b/?originalSubdomain=de
Karsten Kukulies Social Media Manager Bergische Universität Wuppertal 🔗 https://presse.uni-wuppertal.de/de/kontakt/detail/kukulies/ LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/karsten-k-a1b24119a/
Ina Teloudis Redakteurin und Moderatorin MANDARIN EDU – Agentur für Bildungsmarketing 🔗 www.mandarin-edu.de LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/ina-teloudis-3679b4a2/
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[0:20] Ina Teloudis: Herzlich willkommen in Essen, im Unperfekthaus! zur Barcamp-Sonderfolge Teil 1 von Inside Hochschulkommunikation oder kurz: Inside HKomm, dem Podcast für alle, die Hochschul- und Wissenschaftskommunikation gestalten, weiterdenken und vernetzen wollen. Ich bin Ina Teloudis und ich freue mich, dass ihr dabei seid. Wir wollen euch nämlich ein bisschen mitnehmen heute in Essen auf das Hochschul-Barcamp. Zwei Tage voller Live-Sessions rund um das, was die Hochschulszene in Sachen Social Media und Content bewegt. Wir haben Gäste von über 70 Hochschulen und Organisationen aus ganz Deutschland und Österreich und auch der Schweiz, und das bedeutet natürlich: ganz viel Input, ganz viel Austausch – und wir wollen euch ein Stück weit davon mitgeben. Gleich ein paar Sessions hat Kathi gemacht. Schön, Kathi, dass du Zeit gefunden hast, zwischen den Sessions noch mal schnell zu uns runter ins Podcast-Studio zu kommen. Magst du einmal sagen, wer du bist, woher du kommst, was du normalerweise so machst und was das Thema deiner Session war?
[1:23] Katharina Bode: Ja, danke, ich freue mich total, hier heute so spontan zu Gast sein zu dürfen. Mein erster Podcast! Ja, hi, ich bin Kati von der Hochschule Osnabrück, wohne dort auch in meiner Wahlheimat seit acht Jahren. Bin damals tatsächlich auch fürs Studium an der Hochschule nach Osnabrück gezogen und hängengeblieben. Und jetzt dort beruflich tätig im zentralen Studierendenmarketing und dort aber explizit für die Kanäle Instagram und TikTok, die in meiner Verantwortung liegen. Das bedeutet ganz konkret, dass ich mich mit der strategischen Content-Planung auseinandersetze und die Produktion dann Gott sei Dank durch Unterstützung meiner Hilfskräfte stattfindet.
[2:04] Ina Teloudis: Sehr gut.
[2:05] Katharina Bode: Ja, und da sind wir so ein kleines Team, aber ich habe natürlich auch noch einige andere Kollegen in unserem Geschäftsbereich, die mich auch unterstützen. Ja, und gemeinsam wuppen wir das und versuchen unsere Reichweite zu erhöhen – beziehungsweise wir schaffen das auch. Ja, aber das Barcamp hier ist natürlich trotzdem immer noch sehr, sehr wertvoll für neue Learnings.
[2:25] Ina Teloudis: Learnings, da will ich natürlich jetzt auch drauf hinaus. Deine Session hieß „TikTok-Content: Was funktioniert außer Memes und Trend-Sounds?“ Okay, harte Nummer. Da waren auch recht viele drin, wenn ich das richtig erinnere, ich habe ja auch drin gesessen. Das waren bestimmt so, na, 40 Leute waren das?
[2:44] Katharina Bode: Ja, 40 glaube ich auch mindestens.
[2:46] Ina Teloudis: Wenn ich das richtig rekapituliere, waren ja alle so: „Ja, ich weiß auch nicht, was funktioniert außer Trends und Memes.“ Und dann kam aber doch noch eine ganze Menge, ne? Wie hast du das wahrgenommen, wie war so der Output?
[3:00] Katharina Bode: Ja, der Output war dann doch recht gut, insofern, dass wir doch einige Themen gefunden haben, die eben nicht explizit nur Memes sind. Und das hat mich dann auch ein wenig vielleicht überrascht, beziehungsweise gefreut, dass wir unsere Strategie nicht nur nach Memes ausrichten müssen, sondern dass es eben auch andere Möglichkeiten gibt. Was dort ziemlich eindeutig war, sind so Themen wie, authentisches Studileben zeigen, nahbar sein und vor allem auch nicht perfekt sein. Tatsächlich war irgendwie dann auch das Thema: Gerade Videos, in denen mal Fehler passieren, irgendwie auch in Untertiteln oder Effekten, die eben auch nicht von der Qualität ganz hochgestochen sind – dass gerade die vom Algorithmus anscheinend auf TikTok gepusht werden. Fand ich ein sehr interessantes Learning.
[3:51] Ina Teloudis: Finde ich auch gut, dass nicht alles so Hochglanz ist.
[3:53] Katharina Bode: Ja, das war auch ein Ding, was interessant war: An welche Zielgruppe wird der Content überhaupt ausgespielt? Was sind da so die Gedanken, die sich viele Hochschulen und Unis gemacht haben? Und da war ein großes Learning, was uns irgendwie auch verbunden hat, dass es keinen großen Sinn macht, Content nur an beispielsweise Schüler:innen auszuspielen oder nur an Studieninteressierte oder nur an Studierende, die man vielleicht schon gewonnen hat, sondern dass man eher Content erstellen sollte, der die verschiedenen Zielgruppen gleichermaßen anspricht und nicht nur spitz das Bedürfnis einer Zielgruppe. Das war ein sehr, sehr großes Learning aus der gestrigen Session, würde ich sagen. Und dass gerade auch so informative Videos, also rein informative Videos, echt nicht so den mega Anklang finden, weil sie dann wieder zu spitz sind.
[4:47] Ina Teloudis: So wie Erstie-Guide oder „How to einschreiben“, sowas meinst du?
[4:51] Katharina Bode: Ja, genau, dass das schon irgendwie ein bisschen zu viel des Guten ist, weil der Unterhaltungsfaktor fehlt. Und TikTok, insbesondere TikTok, eben auch genutzt wird, um sich, ja, zu unterhalten, von seinem eigenen Leben, von der Realität vielleicht ein bisschen abzulenken und man will da irgendwie einfach nur Spaß haben und sich berieseln lassen. Und wenn wir dann da mit so striktem Info-Content kommen, dann ist es vielleicht zu viel in dem Moment und dann wird man eher weitergescrollt, als dass die User stehenbleiben beim eigenen Video. Das war ein Learning. Und deswegen war dann so ein wenig auch das Fazit von gestern: Eher Themen oder Content-Formate allgemein zu erstellen, die für verschiedene Zielgruppenbedürfnisse ansprechend sind, mehr das Leben zeigen, die leicht sind, also Studileben zeigen, die leicht zu konsumieren, unterhaltsam sind. Trotzdem einen Einblick geben: „Hey, so kann das Studileben an der Hochschule Osnabrück in Osnabrück aussehen“, ohne zu werblich, zu informativ zu wirken, aber trotzdem ein Interesse zu schaffen.
[5:54] Ina Teloudis: Und so richtig den Heiligen Gral „Wie machen wir es jetzt?“, hatte aber keiner, oder?
[5:59] Katharina Bode: Hatte keiner, genau. Also das war so ein bisschen das, was wir auch festgestellt haben: Mit einer krassen Strategie funktioniert TikTok nicht.
[6:09] Ina Teloudis: Das ist nicht schön.
[6:10] Katharina Bode: Ja, das ist auch die Herausforderung, der ich mich gerade stelle. Ich arbeite sehr strategisch, so bin ich auch einfach von der Person, das macht mir auch Spaß, so zu denken. Und es funktioniert auch auf anderen Kanälen sehr gut. Insta ist mega durch die Decke gegangen, seitdem wir strategisch Content planen. Und deswegen hat mich TikTok irritiert, weil dort meine Strategie nicht direkt funktioniert hat. Und es war gestern beruhigend zu hören, dass bei keiner Hochschule und Uni irgendeine Strategie wirkt, sodass wir letztlich gestern gesagt haben: Okay, TikTok funktioniert am besten vielleicht wirklich ohne Strategie. Ausprobieren. Es ist Intuition, es ist schnell agieren, wenn es auch aktuelle Themen gibt, aktuelle Anlässe – Super Bowl war vorletzte Woche. Wenn man dazu passend Content generiert, der dann eben auch wieder eine größere Masse anspricht und nicht nur auf eine spitze Zielgruppe ausgerichtet ist. Ja, und dann einfach machen und vielleicht gar nicht so viel denken. Das war's, das war gestern das große Learning. Und das war auch sehr beruhigend für mich, einfach zu hören, dass viele vor dieser Herausforderung stehen, eben nicht alles bis ins kleinste Detail planen zu können für TikTok, sondern eben auch mehr die Haltung haben: Wir müssen einfach machen, ausprobieren, versuchen irgendwie aktuell zu sein.
[7:31] Ina Teloudis: Das habe ich auch mitgenommen aus der Session. Also es gibt kein „Das haben wir schon mal gemacht, das hat super funktioniert, das machen wir noch mal genauso und es wird bestimmt wieder gut funktionieren.“ Überhaupt nicht, oder?
[7:42] Katharina Bode: Ja, das ist auch meine Erfahrung. Wir haben einige etablierte Formate, zum Beispiel das „A Day in my Life“, wo ein Studi den Alltag mit der Kamera filmt, begleitet – super authentisches Format. Funktioniert auf Instagram immer. Immer! Ich platziere das sehr oft im Monat, weil es eben sehr authentisch ist und sowohl für Studieninteressierte, aber auch aktuell Studierende interessant ist, sich anzuschauen. Ja, dann platziere ich das auf TikTok und ja, wir haben „Day in my Life“-Videos, die gehen gut ab, was die Aufrufe und Interaktion betrifft. Und dann gibt es aber auch „Day in my Life“-Videos … die nicht.
[8:21] Ina Teloudis: Aber du kannst nicht sagen, woran es liegt?
[8:23] Katharina Bode: Ja, die funktionieren dann irgendwie nicht. Ich weiß nicht, warum. Es ist der eigene Algorithmus, der eigene Kopf, den TikTok da irgendwie hat. Und man darf sich davon aber nicht frustrieren lassen, man muss trotzdem weitermachen. Man muss einfach sich nur damit anfreunden, dass keine stringente Strategie auf TikTok möglich ist.
[8:44] Ina Teloudis: Ist natürlich schwierig, wenn man jetzt sagt, man hat natürlich auch begrenzt Kapazitäten, wo stecke ich jetzt meine Kraft rein? Mache ich's vielleicht doch Instagram, wo ich weiß, das ist eine sichere Bank – eine sichere Bank ist es ja nie – aber statt dass ich jetzt wirklich viel Kraft in Content stecke und gar nicht weiß, ob der überhaupt den Return bringt?
[9:03] Katharina Bode: Ja, das stimmt. Das muss eine Überzeugungssache sein, glaube ich. Total! Und ich bin nach wie vor überzeugt. Also ich bin überhaupt nicht jetzt frustriert oder enttäuscht, dass manche Videos vielleicht nicht so performen, wie ich es mir gewünscht hätte oder auch wovon ich einfach ausgegangen wäre, sondern ganz im Gegenteil: Ich versuche das auch entspannt zu nehmen und einfach trotzdem mein Gefühl für gute Videos weiterzuentwickeln. Und ich denke, irgendwann hat man so ein grobes Gefühl für verschiedene Themen oder Aufbereitungsmethoden und bessere Learnings, die man irgendwann nach einer Zeit ziehen kann. Aber es dauert, der Prozess ist glaube ich länger auf TikTok, bis man dieses Gefühl entwickelt hat, was funktioniert und was nicht. Und das nehme ich so an und wir machen das weiter. Wir sind trotzdem erfolgreich auf TikTok. Es ist jetzt nicht, dass wir nicht erfolgreich sind, das möchte ich gar nicht so wirken lassen hier. Nur dieses sehr oder strengere strategische Denken, was ich von Instagram kenne und was mich dort zum Erfolg gebracht hat, das kann ich halt nicht eins zu eins auf TikTok übertragen.
[10:13] Ina Teloudis: Ganz wichtiges Learning, ja.
[10:15] Katharina Bode: Da, genau, das ist das eigentlich größte Learning, dass es eine andere Arbeitsweise ist auf TikTok. Ja, aber das ist ja auch ein schönes Learning. Jeder Kanal funktioniert anders und deswegen sehe ich das als Bereicherung und nach wie vor aber eben als sehr, sehr wichtigen Kanal für unser Studimarketing, dort präsent zu sein. Ja, und wir werden das auch schaffen, dort noch weiter unsere Reichweite zu erhöhen.
[10:41] Ina Teloudis: Ich bin gespannt, was du in einem Jahr erzählst, wenn wir uns vielleicht wiedersehen beim Barcamp, dann ist ja die Erfahrung ein Jahr länger.
[10:48] Katharina Bode: Genau, genau. Vielleicht ist das auch noch mal wichtig zu sagen: Wir haben TikTok erst seit Ende September 2025. Also…
[10:55] Ina Teloudis: Das ist ja nichts.
[10:56] Katharina Bode: Ja, das darf man auch nicht vergessen. Insofern haben wir da noch einen großen Lernprozess vor uns.
[11:03] Ina Teloudis: Kathi, danke schön!
[11:05] Katharina Bode: Sehr gerne, es war mir eine Freude!
[11:07] Ina Teloudis: Dann sprechen wir nächstes Jahr noch mal drüber.
[11:09] Katharina Bode: Ja, ich würde mich freuen.
[11:15] Ina Teloudis: Zwischen zwei Sessions reingeschneit ist Karsten. Schön, dass du da bist und dir ein bisschen Zeit nimmst für uns. Erzähl mal einmal: Wer bist du, was machst du im normalen Leben, woher kommst du?
[11:27] Karsten Kukulies: Ja, Karsten Kuckulies. Ich arbeite an der Bergischen Universität Wuppertal als Social Media Manager. Mittlerweile seit, ja, ich würde sagen so ca. acht Jahren. Bin da so reingerutscht als Online-Redakteur, Social Media Teilzeit, jetzt Vollzeit schon länger und ja, mache da mal so mein Ding innerhalb der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, in der Universitätskommunikation. Das tue ich in meinem Arbeitsleben. Und in meinem normalen Leben gehe ich viel laufen und mache Sport.
[12:02] Ina Teloudis: Da hat sich ja – gar nicht das Thema – wenn ich überlege, in den letzten drei Jahren so viel verändert – da hast du ja eine ganze Bandbreite mitgemacht. Bist du auch schon so lange Barcamp-Besucher oder kam das erst ein bisschen später dazu?
[12:16] Karsten Kukulies: Beim Barcamp war ich tatsächlich sogar schon mal als Volontär, bevor ich bei der Uni Wuppertal angefangen habe. Also das müsste auch schon so ungefähr neun oder zehn Jahre her sein, wahrscheinlich. Ansonsten, Barcamp müsste irgendwie mein siebtes oder mein achtes sein. Und viel getan hat sich definitiv! Also Kanäle haben sich verändert, wie die Kanäle funktionieren, hat sich verändert, wie wir die Kanäle bespielen, hat sich verändert. Es bleibt immer spannend, sag ich mal.
[12:47] Ina Teloudis: Magst du mal einmal sagen, wie deine Session hieß und was das Thema war?
[12:51] Karsten Kukulies: Also meine Session habe ich „Kommentarsport“ genannt, weil es eben solch eine Veränderung gegeben hat in den letzten zwei, drei Jahren, oder vielleicht schon ein bisschen länger sogar, dass Kommentare einfach ein Riesending geworden sind. Vor allen Dingen bei Instagram und bei TikTok meiner Meinung nach. Bei Facebook gibt es das sicherlich auch, aber wahrscheinlich in einer anderen …
[13:14] Ina Teloudis: Ist nicht so unsere Bubble.
[13:16] Karsten Kukulies: Ist nicht so ganz unsere Bubble. Die gucke ich mir natürlich auch an, aber die sind halt nicht so funny. Und deswegen ist das für mich auch irgendwie dieser Sessionbegriff „Kommentarsport“, weil ich mag das und finde das lustig, dass Kommentare so eine eigene Disziplin geworden sind.
[13:34] Ina Teloudis: Das wäre meine Frage: Ist das schon so? Also du hattest ja einen ziemlich großen Saal gestern bei der Session, es waren viele Leute drin. Machen Leute das schon? Oder ist das nur so: „Ja, wir wissen das, wir sehen das bei der Deutschen Bahn, Lidl, die machen das alle schon richtig gut, Sixt macht das auch.“ Machen die das schon?
[13:51] Karsten Kukulies: Ich glaube eher weniger. Also ich frage immer ganz gerne mal rum am Anfang, weil ich so ein kleines Stimmungsbild haben will: Wer macht es denn eigentlich? Und dann hebt doch bitte alle mal die Hände. Und dann machen manche so halb und manche heben … also es waren jetzt nicht besonders viele. Wie du gefragt hast, ob Leute das machen, würde ich sagen, ja, aber wir als Hochschulen, glaube ich, sind da noch nicht ganz so weit. Viele wissen nicht so richtig: Sollen wir, möchten wir, können wir? Dann gab es vielleicht auch mal so eine Nachfrage: „Ja, wo hast du denn Ideen her für die lustigen Kommentare?“ oder so. Also ja. Wie immer: Manche ja, manche nein, manche mehr, manche weniger. Das ist wie bei diesen Fragen im Hochschulkontext – diese Sessions sind immer welche dabei, die sind schon weiter als du, und dann gibt es welche, die sind noch ganz woanders.
[14:42] Ina Teloudis: Und so war das Stimmungsbild gestern. Wo bist du denn? Bist du Beginner, Learner, bist du schon fortgeschritten im Kommentarsport?
[14:49] Karsten Kukulies: Also die Qualität der Kommentare ist, glaube ich, schon gar nicht so schlecht. Man könnte es vielleicht noch etwas mehr machen, aber ich meine, man muss damit auch so ein bisschen vorsichtig sein. Ist so ein bisschen wie vorsichtig würzen. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Es muss halt auch passen. Das war auch ein Thema in der Session selbst: Das darf nicht so richtig random sein. Also spame nicht irgendwo Kommentare drunter, mit denen du nichts zu tun hast, unter Posts, die einfach nichts mit deinem Uni-Kontext zu tun haben. Also ich mache das gerne über, wenn ich Content sehe, der über Wuppertal geht, ob negativ oder positiv. Auch unter negative Sachen. Wir hatten mal ein Reel, da sagt dann einer: „Das sind drei Städte, in die du niemals gehen solltest.“
[15:35] Ina Teloudis: Okay.
[15:36] Karsten Kukulies: Da schreibe ich halt dann drunter: „Wuppertal auf die Eins!“ So. Und dann finden das halt Leute lustig, andere sagen: „Nö, Wuppertal ist voll hässlich.“ Aber es läuft halt. Du kriegst halt dementsprechend die Aufmerksamkeit und es ist halt relativ easy gemacht, ne? Und du zeigst damit so ein bisschen, du machst dieses ganze Social-Media-Game halt mit. Und ich finde, dafür sind wir Social-Media-Manager ja auch irgendwie da. Und das ist halt die Fun-Seite von Social Media.
[16:05] Ina Teloudis: Also Sichtbarkeit bringt das natürlich auf jeden Fall für den Kanal. Jetzt könnte man natürlich ketzerisch sagen: „Ja, aber wo Sichtbarkeit und welche Reichweite bei den Richtigen?“
[16:16] Karsten Kukulies: Ich glaube, es sehen genau die richtigen Leute mehr oder weniger, weil es halt oft einen Bezug zur Uni oder zur Stadt hat. Ich kommentiere auch gerne mal bei irgendwie so unseren Studierenden, die vielleicht Content machen. Manche würden die vielleicht Influencer nennen, ob die das jetzt sind oder nicht, aber zumindest machen die irgendwie so uni-related Content. Und da kommentiere ich dann halt auch mal, ne? Wenn wir jemanden haben, der postet immer so ein Uni-Life-of-ich-mich-selber und dann morgens geht er halt immer zum Friseur, dann geht er in die Uni und dann geht er die Bib chillen. Und da habe ich geschrieben: „Halt dann öfter beim Friseur als im Hörsaal.“ Aber er kommentiert dann halt auch lustig zurück. Also es ist dann so ein netter, lustiger Schlagabtausch. Er freut sich, dass die Uni bei ihm irgendwie kommentiert und sagt dann irgendwie: „Boah, immer Ehrenuni“ und weiß ich nicht, „Uni Wuppertal auf die Eins!“ Also es ist halt so ein Hin und Her, ne? Und das finde ich, das macht halt Spaß. Vieles auf Social Media ist halt auch so ernst geworden und irgendwie Hate-Speech und dies und das und Ananas, aber so dieser Kommentarsport, so sich kleine lustige oder vielleicht mal frotzelnde oder stichelnde Kommentare oder irgendwie was Schönes … wir haben halt dieses Beispiel gehabt zu: „Wir sind wieder die hässlichste Hochschule Deutschlands gewesen“ bei Funk. Und da habe ich dann drunter kommentiert, habe ein bisschen nachgedacht: Was mache ich? Was mache ich? Was mache ich? Also schon mir ein bisschen Zeit gelassen. Und dann ist mir halt Christina Aguileras „Beautiful“ eingefallen und dann habe ich da so zwei Textzeilen druntergeschrieben: „I am beautiful no matter what they say.“
[17:50] Ina Teloudis: Ganz großes Kino!
[17:51] Karsten Kukulies: Hat irgendwie, weiß ich nicht, 5.000 Likes oder so irgendwie gekriegt. Und dann haben alle darunter geschrieben: „Mega Kommentar!“ und „Die Uni Wuppertal ist total schön!“ Dadurch hatte sich das Ganze dann halt auch so gedreht. Also man kann mit so einem Kommentar vielleicht auch Dinge, die vielleicht eigentlich negativ sind, so ein bisschen in so eine positive Richtung drehen und für sich nutzen halt.
[18:14] Ina Teloudis: Es ist sehr entwaffnend, so zu reagieren? Genau so eine Authentizität und so eine Selbstironie – also Selbstironie ist halt auch einfach, glaube ich, eine sehr feine Komponente bei Social Media. Das ist aber schwierig. Also wenn du guckst, die Deutsche Bahn, wer die Deutsche Bahn auch fährt, die sind ja auch gnadenlos kokettierend mit ihrer Unpünktlichkeit beispielsweise, ne? Das ist ein schmaler Grat, glaube ich.
[18:37] Karsten Kukulies: Absolut, ja. Ja, ich glaube, das ist auch der Grund, warum einige da noch so ein bisschen zögern, weil sie nicht so richtig wissen: Wie steht mein Rektorat oder meine Chefin oder wer da auch immer dazu?
[18:50] Ina Teloudis: Hab ich mich auch gefragt.
[18:51] Karsten Kukulies: Ist das überhaupt unser Ding? Das hat auch einer von den Teilnehmern in der Session gesagt: Das muss auch so ein bisschen zu deiner Uni passen. Wenn du generell sehr seriösen Content machst und vielleicht auch keine Memes postest, weil „Oder Reels, das darfst du auch nicht“ oder so, dann wäre es komisch, wenn du plötzlich anfängst, selbstironische oder vielleicht so ein bisschen neckische Kommentare zu posten. Dann sind alle vielleicht irritiert. Aber wenn du generell auf deinem Account schon so ein bisschen auch irgendwie die lustige Seite des Studiums und auch mal ein funny Meme oder weiß ich nicht was postest, dann passt es halt schon, weil die Leute so ein bisschen, glaube ich, oder deine Follower zumindest gelernt haben: Die sind halt so. Und viele wissen ja mittlerweile auch: Da sitzt jetzt nicht der Rektor und macht den Content, sondern das sind die Social-Media-Leute. Die sind dafür da.
[19:40] Ina Teloudis: Der Kanal hat eine Persönlichkeit an der Stelle dann, ja?
[19:43] Karsten Kukulies: So! Also die Leute, die von Lidl oder Rewe oder die Deutsche Bahn, da schreiben ja auch alle immer drunter: „Gebt dem Social-Media-Manager eine Gehaltserhöhung.“ Die wissen halt, da sitzen die Leute, das sind auch Menschen und die können auch mal lustig sein. Wenn das jetzt so eine komplette Strategie für so ein Unternehmen ist, wie jetzt damals bei irgendwie der Welt-Reporter oder True Fruits Smoothies, das ist ja noch mal ein ganz anderes Level.
[20:10] Ina Teloudis: Ganz andere Nummer.
[20:11] Karsten Kukulies: Ganz andere Nummer. Aber so als Uni, wenn deine Abteilung oder wer auch immer damit einverstanden sein muss, damit einverstanden ist, dann finde ich das ein supergutes Tool sozusagen, um einfach sich überall mal so ein bisschen reinzusneaken und bei ZDF heute einfach mal irgendwie ein Gif zu droppen und plötzlich 5.000 Likes dafür zu kriegen, weil die Leute das halt lustig finden, ne? Und dann haben alle mal dein Logo und deinen Namen gesehen – für lau.
[20:39] Ina Teloudis: Relativ lau. Na ja, so ganz lau ist es ja nicht: deine Arbeitszeit. Wie viel Zeit steckst du da rein? In Potenzial-Hunting muss man ja erst mal sagen. Du hast so deine üblichen Verdächtigen, die du so ein bisschen screenst, die sowieso immer der Algorithmus dir ausspielt und wo du – also Funk, dann irgendwie Stadt Wuppertal postet – das siehst du. Kannst du das beziffern? Weil das ist nicht ohne Aufwand, oder?
[21:05] Karsten Kukulies: Nee, man tendiert, glaube ich, auch als Social-Media-Mensch oder -Manager oder was auch immer, so ein bisschen dazu, seine Arbeitszeit nicht so richtig zu tracken, weil du machst das in deiner Freizeit theoretisch auch noch mal. Ich gehe ja nicht nach Hause und lege mein Privathandy komplett weg und sage dann so: „Jetzt mache ich die nächsten acht Stunden nichts mehr mit meinem Handy.“ Und deswegen fühlt sich meine Arbeit manchmal nicht so richtig nach Arbeit an, weil ich scrolle ja auf meinem Handy. Aber gleichzeitig gucke ich mir ja auch Sachen an, die ich vielleicht benutzen kann oder von denen ich mich inspirieren lasse oder die ich kommentieren kann. Oder irgendwie habe einen südkoreanischen Studenten völlig aus Zufall gefunden. Der hat uns nicht getaggt, der hat uns nicht … uns wurde nichts geschickt oder so, sondern das wurde mir durch den Algorithmus, der das halt gelernt hat, dass mich Wuppertal-related Content irgendwie interessiert, in die Timeline gespült. Und der ist jetzt total beliebt. Die wollen jetzt Radiointerviews mit dem machen, unsere Internationals wollen ihn unbedingt irgendwie für irgendwas haben und Zeitungsartikel. Also wie viel Zeit ich dafür aufwende, kann ich echt ganz schwer sagen, aber ich gucke natürlich schon viel auf die Social-Media-Kanäle und scrolle da halt natürlich auch einfach durch, um einfach zu gucken, was so los ist, ne?
[22:24] Ina Teloudis: Ja, mit 'nem ganz anderen Blick darauf. Und das Feedback gestern in der Session? Gab es da Leute, die gesagt haben: „Okay, ja, das sehe ich für mich auch oder für unseren Kanal auch, das sollten wir dringend in Angriff nehmen.“ Leute, die es schon so machen in der Form, auch neben dir bestimmt?
[22:42] Karsten Kukulies: Ja, es gab schon einige. Ich kenne ja auch einige. Also wir hier in NRW – also die RWTH, den Sebastian kenne ich und von der HHU die Laura kenne ich. Und dadurch, dass wir uns als Menschen, uns als Social-Media-Manager halt untereinander kennen, hat das auch eine ganz lustige Dynamik, weil wir halt wissen, wer dahintersteckt. Und das ist … wir finden es halt selber dann wahrscheinlich ein bisschen witzig so, ne? Ob ich das jetzt mit random anderen Universitäten genauso machen würde … auch so ein bisschen – also wir necken uns dann untereinander auch schon mal gerne irgendwie oder sind auch mal nett zueinander. Die RWTH ist uns dann beiseitegesprungen unter dem „hässlichste Hochschulen“ – wir sollten uns nicht ärgern lassen oder so. Also sowas machen wir halt auch, ne? Und das finde ich, ist eine super coole Dynamik irgendwie geworden. Ich weiß nicht, wie viele Leute aus den Sessions rausgehen und dann so sagen: „Boah, das müssen wir auf jeden Fall auch machen.“ Und manche sagen so: „Ja, bei uns läuft es halt sowieso nicht, wir können nicht oder dürfen wir nicht.“ Aber es waren schon, glaube ich, sehr viele interessiert. Und dadurch, dass es halt auch funny ist, haben halt auch immer wieder viele gelacht, wenn dann lustige Kommentare als Beispiele gezeigt wurden. Und ich glaube schon, dass ich ein paar irgendwie dazu inspiriert habe, da sich vielleicht ein bisschen mehr mal irgendwie auch zu engagieren.
[24:06] Ina Teloudis: Ist auch Kommentargame oder Kommentarsport, wenn du in deinen eigenen Beiträgen gezielt andere Stakeholder, Protagonisten, Seiten verlinkst und die irgendwie versuchst anzufüttern, zu interagieren mit deinem Posting? Macht ihr das auch?
[24:21] Karsten Kukulies: Na, das mache ich eigentlich ziemlich wenig. Also ich kommentiere eigentlich immer eher so irgendwas aus unserer Sicht. Ob das jetzt irgendwie lustig oder eloquent oder nur … es kann auch nur ein Herzchen sein. Dann finden die Leute das auch schon schön, und wir haben ja einen blauen Haken, das kommt ja noch dazu. Also die Uni Wuppertal hat den blauen Haken in irgendwie, weiß ich nicht, glaube nur drei oder vier andere deutsche Universitäten.
[24:46] Ina Teloudis: Ja, das ist gleich ein bisschen amtlicher.
[24:48] Karsten Kukulies: Das ist jetzt nicht mehr ganz so fancy wie noch vor ein paar Jahren, aber es sieht halt nach Official aus. Und ich glaube, viele freuen sich einfach, dass so die Uni Wuppertal, der Official-Account, die gucken auch. Die sehen dann: „Ach guck mal, die sehen ja unseren Kram.“ Und dann kriegen wir ein Herzchen oder ein weiß ich nicht was, ne? Oder ein Gif. Ich spame auch einfach gerne Gifs, weil das einfach eine schöne Gelegenheit ist, irgendwie so zwischenmenschliche Kommunikation in einem kurzen Bild …
[25:15] Ina Teloudis: Zeitgeist zu zeigen auch, ne?
[25:16] Karsten Kukulies: Zeitgeist zu zeigen, genau so. Ja, genau. Man macht halt mit, man spielt mit und ist dabei und ich glaube, das bringt uns schon irgendwie was auch in Bezug auf so Imagebildung. Wir hatten letztes Jahr eine Session gehabt, wo zwei, einer war Auszubildender, die andere war Studierende, glaube ich. Und die haben halt einer oder beide gesagt: Eine Uni, die so sehr humorlos ist oder keinen funny Content hat, finden sie irgendwie nicht so richtig cool. Das war so ein bisschen, was ich davon mitgenommen habe. Also eben diese Selbstironie, weil man halt weiß, bei dir ist jetzt nicht alles hundertprozentig megatoll, so.
[25:56] Ina Teloudis: Kann ja gar nicht, ne?
[25:57] Karsten Kukulies: Die Uni muss erst erfunden werden, wo alle zufrieden sind mit allem. Und wenn man das dann so auf dem eigenen Kanal ein bisschen mit einem zwinkernden Auge auch irgendwie nach außen gibt, nimmt man dem Ganzen auch so einen bitteren Ernst manchmal, den der Hochschulkontext ja auch manchmal so hat, ne? Also so vor ein paar Jahren war ja auch dann immer noch so: „Ah, wir sind aber eine seriöse Einrichtung, können wir sowas überhaupt machen? Weil bei uns wird studiert, hier lernen die Leute was fürs Leben“ und so und dies und das. Und ich denke mir manchmal so: Habt ihr euch eure Studierenden mal angeguckt? Also…
[26:33] Ina Teloudis: Die haben auch ab und zu mal Spaß. Und ich würde das ja nicht auf LinkedIn machen, ne? Das ist ja nun auch kanalspezifisch.
[26:38] Karsten Kukulies: Genau! Es ist kanalspezifisch. Absolut, ja. Richtig. Ein bisschen Spaß tut uns ja auch gut.
[26:45] Ina Teloudis: Ein bisschen Spaß muss sein, das wusste schon ein weiser Mann. Den Begriff nehme ich auf jeden Fall mit: Kommentarsport.
[26:54] Karsten Kukulies: Kommentarsport.
[26:55] Ina Teloudis: Danke, Karsten!
[26:56] Karsten Kukulies: Gerne!
[26:59] Ina Teloudis: So, das war Teil 1 unserer Sonderfolge vom Hochschul-Barcamp in Essen. Folge 14 von Inside Hochschulkommunikation – von Expertinnen für Expertinnen. Alles rund um Kommunikation, PR, Marketing und Digitalisierung an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Powered by Bundesverband Hochschulkommunikation und Mandarin Edu. Wenn ihr Feedback habt, schreibt uns gerne. Alle Kontaktinfos findet ihr wie immer in den Shownotes. Und in Teil 2 sprechen wir mit Ben Gottstein von der FH Dortmund und Simone Jawor-Jussen von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zum Thema KI im Studierendenmarketing und über Social-Media-Kanäle im Ranking: Wo muss man heute wirklich wie vertreten sein? Also, wir hören uns in 14 Tagen!
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